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Straub Beutin Architekten - Projekte
Bild 2 Familien 1 Haus

2 Familien 1 Haus

Neubau eines Wohnhauses für 2 Familien auf kleinem Grundstück, eingepasst in die umgebenden Siedlungsbauten

 
Ort  Berlin Lichterfelde
Auftraggeber  Familien S L und S B
Leistungsphasen  1 - 9
Zeit  2001
 
Die kleine Einbahnstraße in Lichterfelde wurde im Jahre 1936 von der Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Angestellten Heimstätten (Gagfah) im einheitlichen Stil bebaut. 24 annähernd gleiche Häuser wie "Kaffeemühlen" in der Form eines Würfels, vier Fenstern mit hölzernen Klappläden zur Straße und spitzem Zeltdach sind seit der Bauzeit weitgehend unverändert an der Straße aufgereiht. Zusammen mit der Kopfstein gepflasterten Straße, die abends von Gaslaternen beleuchtet wird und üppig bewachsenen Gärten mit großen Bäumen ist ein sehr einheitliches Siedlungsbild erhalten. Durch die Bombardements des 2. Weltkrieges wurde eine Schneise in diese sonst einheitliche Bebauung gerissen, 5 Häuser wurden zerstört, 3 davon wurden dem Siedlungscharakter folgend in den 1950 er Jahren wiederaufgebaut. 2 Grundstücke blieben lange Zeit unbebaut.

Der Entwurf ist aus diesem Siedlungscharakter heraus entwickelt. Ein neues Haus, deutlich erkennbar als Bauwerk unserer Zeit, paßt sich nicht an aber paßt sich ein. Die Kubatur, die Trauflinie des massiven Baukörpers, das Gesicht zur Straße mit vier Fenstern, die geputzte Fassade mit tiefen Fensterleibungen lassen eine Verwandtschaft zu den umliegenden Häusern erkennen. Abweichungen werden als solche kenntlich. Das Dach wird vom geputzten Baukörper von 24 Stahlstützen angehoben. Das entstehende vollwertige Dachgeschoss ist eingerückt und vollverglast. Die Streckung des Kubus im Vergleich zu der Nachbarschaft zeigt sich durch die eingeschobene Lamellenfassade.

Wirtschaftliche Gründe bedingen die Errichtung eines 2 Familien Hauses auf dem 534 Quadratmeter großen Grundstück. Um die notwendigen Flächen unterzubringen wurde die Ausnutzung des Grundstückes maximiert und die Abstandsflächen bis auf wenige Zentimeter ausgenützt. Es entstehen zwei Haushälften, die über 3 Geschosse jeweils rund 120 Quadratmeter Wohnfläche haben. Zusätzlich entsteht Soutterrainfläche, die durch Anhebung des Erdgeschosses um einen Meter und eine Abböschung im Garten vollwertig belichtet ist und in einer Haushälfte auf 50 Quadratmetern als Büro genutzt wird.

Die Aussenwand ist eine einschalige und beidseitig verputzte Porotonwand. Die Holzfenster sitzen hinter Anschlägen in Fensterleibungen. Die seitlichen Fassaden erhalten im mittleren Teil eine lamellierte Fassade aus unbehandelten Lärchenlatten. Diese Lamellen sind Filter zwischen drinnen und draußen, sie stellen im minimierten Grenzabstand zu den Nachbarn den notwendigen sozialen Abstand her, verhindern den direkten Einblick in den dahinter liegenden Treppenraum, die Küche und Bäder und dienen gleichzeitig dem Sonnenschutz. Klappläden in dieser Lamellenfassade ermöglichen den direkten Ausblick.

Durch seine Anordnung im Haus, die Lage an der voll verglasten Außenwand und seine Gestaltung wird der Treppenraum als räumlich eigenständige, begehbare Skulptur erlebt. Die zweiläufige Treppe spannt zwischen drei Stahlbetonwänden, die Treppenstufen aus massiver Eiche sind mittels Stahlwinkeln zwischen diesen Wänden befestigt. Die mittlere Wand erhält dreieckige Aussparungen ("Zickzackwand") mit hölzernen Auflagen, die als Handlauf dienen. Der Hauseingang ist zugleich das halbgeschossige Podest zwischen Erd- und Kellergeschoss.

Die Grundfläche je Haushälfte beträgt weniger als 60 m², die lichte Raumbreite nur 4 Meter. Großzügige Raumeindrücke zu schaffen war Ziel des Entwurfes. Es gibt keine Stürze, Verglasungen und Türen sind raumhoch und raumbreit. Im Wohngeschoss gibt es keine Türen, Transparenz und Blickbeziehungen entlang der 13 Meter langen Mittelwand und die offene Küche vermitteln fließende Raumbezüge und Weitläufigkeit.

Das Dachgeschoss erhebt sich über die Wipfel der Bäume. Nach außen zeichnet es sich als seitlich eingerückter, vom massiven Baukörper abgehobener Glaskörper ab, der unter dem von Stahlstützen angehobenen Dach liegt. Die Räume sind zu zwei Seiten vollständig verglast und lassen sich über Eck durch Schiebetüren zum schmalen Umgang öffnen.

Der Ausbau folgt dem Grundgedanken des Entwurfes, den vorhandenen Raum zu optimieren und großzügig wirken zu lassen. So sind die Türen raumhoch, die Eichenholzblockzargen werden stumpf zwischen die Wände eingebaut. Die Bäder sind auf kleinster Grundfläche organisiert, erhalten aber eine raumbreite Dusche, die eingefliest wird und ohne Duschwanne auskommt, sowie wandgroße Spiegel. Die Wahl der Materialien hebt gleichfalls auf Vergrößerung durch eine homogene Kleinteiligkeit ab, die Böden im ganzen Haus sind mit Industrieparkett belegt, die Bäder mit Glasmosaik.

Fotos: Andrea Kroth
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