Bild Oberstufenzentrum Bautechnik II und Holztechnik

Oberstufenzentrum Bautechnik II und Holztechnik

beschränkter Realisierungswettbewerb engere Wahl

 
Ort  Berlin Weissensee
Zeit  2004
 
Der Neubau des Oberstufenzentrums stellt sich als geschlossenes Ensemble aus mehreren Gebäudeteilen dar. Der an der Gustav Adolf Straße liegende Winkel des Oberstufenzentrums Holztechnik überschneidet sich mit dem an der Amalienstraße liegenden des Oberstufenzentrums für Bautechnik II. Im Bereich der Überschneidung sind zentral die gemeinsam genutzten Räume wie Cafeteria, Bibliothek, Naturwissenschaften und Schüleraufenthalt untergebracht, dort liegen auch eng benachbart die Räume der Verwaltungen und der Lehrer.

Der Zugang in das Schulgebäude erfolgt von der Gustav Adolf Straße aus über einen sich in die Tiefe erweiternden Vorplatz entlang der Amalienstraße. Die Schüler betreten das Haus im zentralen Bereich beider Schulen und verteilen sich dann auf klar strukturierten Wegen innerhalb des Hauses. Die Flure sind meist zweihüftig mit Räumen besetzt. Zum Eingangsbereich beziehungsweise zum großen Pausenhof öffnen sich aber die Flure und ermöglichen Einblicke von außen sowie eine gute Orientierung im Inneren.

Der Bereich der Fachpraxis mit den Werkstätten ist nutzungsbedingt separat im westlichen Teil des Grundstücks in einer kompakten Schiene angeordnet. Die Abstände zwischen den Gebäudeteilen ergeben sich aus den notwendigen Abständen in Bezug auf den Brandüberschlag. Die Erschließungsflächen der Werkstätten und eine Reihe von Werkhöfen reihen sich entlang der linearen, vor Ort aufgefundenen und als Gestaltungselement aufgegriffenen Baumallee. Durch eine Hofdurchfahrt von der Gustav Adolf Straße kommend führt sie nun bis zu den Sport- und Freiflächen. Zur Gustav Adolf Straße und zum Sportplatz gewähren lamellierte Schaufenster Einblicke in die praktische Arbeit der Schüler in den Werkstätten.

Alle Gebäudeflügel gemeinsam umschreiben die großzügigen Pausenflächen im Inneren des Ensembles, in deren Schwerpunkt wiederum die Cafeteria mit ihren Terrassenflächen liegt.

In das städtebauliche Ensemble einbezogen sind die vorhandenen Gebäude der Sporthalle und der Abbundhalle, deren Raumkanten aufgegriffen werden und die dadurch zu selbstverständlichen Bestandteilen des Gesamtensembles werden.

Das Gebäude markiert die Straßenkanten der Gustav Adolf Straße mit städtischen vier Geschossen, zu der weniger städtischen Amalienstraße bildet es Vorräume und vermittelt durch seine Höhenabstaffelung auf drei Geschosse gegenüber des Friedhofes und auch zu der umliegenden Landschaft und den Kleingärten einen zurückhaltenderen Gestus.

Das Oberstufenzentrum reiht sich in die Tradition des Berliner Schulbaus ein. Vorherrschendes Element der äußeren Erscheinung ist der werthaltige Ziegelstein, eingesetzt als Vormauerschale in Torfbrandklinkern. Dies Element wird versetzt mit Materialien und Gestaltungsmöglichkeiten des modernen Bauens : es werden für die Belichtung optimale, lange liegende Fensterformate eingesetzt, Teile der Flure erhalten großflächige, thermisch getrennte Aluminiumfassaden, der Sonnenschutz ist zugleich Element der Solarenergienutzung, die Fassaden der Werkstattgebäude erhalten Sichtbetonfassaden mit stählernen Lamellenfenstern. Im Inneren herrscht eine materialgerechte Farbgebung vor : verputzte Wandflächen in vorwiegend hellen Tönen, Innentüren mit Holzfurnier, Böden mit farbigem Linoleum, als Holzböden oder in stark frequentierten Bereichen als farbiger Werkstein.

Für den Neubau des Oberstufenzentrum ist ein ganzheitliches Energiekonzept vorgesehen. Zum einen wird bei der Auswahl der Baustoffe auf ökologische Nachhaltigkeit Wert gelegt, zum anderen soll die Wahl der Baustoffe den Energieaufwand im Unterhalt des Hauses minimieren. Mit der Zielsetzung eines optimierten Energiebilanz wird zugleich ein didaktischer Ansatz verfolgt. So ist die Nutzung verschiedener regenerativer Energien beabsichtigt. Die Maßnahmen des Sonnenschutzes werden zugleich zur Nutzung von Solarenergie herangezogen. Die Dachflächen des Hauses werden mit Solarkollektoren belegt. Ein Teil der Dachfläche wird für ein spezielles Solarlabor zu Anschauungszwecken vorgehalten. Die jeweils momentan gewonnene Energie wird auf Anzeigetafeln im Haus kenntlich gemacht. Sämtliche haustechnischen Anlagen und Geräte werden in ein übergreifendes Kontroll- und Regelnetzwerk eingebunden. Als Brennstoff aus nachwachsenden Ressourcen werden für die Heizung Holzpellets verfeuert, Holzabfälle aus dem Unterrichtsgeschehen könnten direkt in einem separaten Brenner verfeuert werden. In den Sommermonaten wird der Wärmebedarf für Duschen durch Solarthermie gedeckt.

Kleine Niveauveränderung strukturieren das fast ebene Grundstück und klären die räumliche Gliederung. Die geplanten unterschiedlichen Ebenen sind konsequent funktionsbedingt eingerichtet. Die hochgelegenen Pausenhöfe korrespondieren mit dem tiefer liegenden Caféhof, die Sportflächen liegen auf Tafelbergen, die Hügel als Elemente einer Lauflandschaft schwimmen auf der Normalebene, die auf tiefstem Niveau liegenden Mulden dienen der Versickerung des Regenwasser. Das Regenwassermanagement erfaßt alle extensiv begrünten Dachflächen des Hauptgebäudes. Eine Zwischenspeicherung des Wassers erfolgt in einem Zisternensystem, das zugleich in den Niveauversprung der Pausenhöfe intergriert ist. Die gedrosselte Entleerung der nicht für Gießwasser gespeicherten Teilmenge aus der Zisterne heraus läuft ohne Pumpentechnik, lediglich durch natürliche Schwerkraft aus offenen Rohren in die Rigolen hinein. Das dient auch der Veranschaulichung der ökologischen Funktion. Die Dachflächen der Werkstätten und der Turnhalle sowie ein Teil der Erschließungsstraßen entwässern als nicht offenes System in eine weitere Zisterne, die zur Bewässerung der Sportflächen vorgesehen ist. Alle speziellen Bauwerke des Regenwassermanagements dienen als Anschauungsgegenstände für entsprechende Unterrichtseinheiten. Zur Erhaltung der Bodenoffenheit sind lediglich die unverzichtbaren Erschließungswege für LKW, Teilflächen der Pausenhöfe sowie die Kunststoffläche des Sportfeldes als versiegelte Flächen vorgesehen, alle anderen Flächen sind Vegetationsflächen oder mit wassergebundenen Decken ausgestattet. In den Flächen der Mulden und Rigolen bestimmt standortgemäße wilde Vegetation das Erscheinungsbild, extensiv gepflegt durch zweimalige Mahd pro Jahr. Die Funktionsflächen der Sportanlagen sind in saftig grüne Rasenspiegel eingebettet. Die Hügel der Lauflandschaft zeigen wiederum ein wildes Pflanzenkleid. Eine Ausstattung mit Großbäumen erfolgt in den Pausen- und Erschließungsflächen; die Baumpflanzungen in die Lauflandschaft ergänzen und bereichern den Bestand und dienen der Einbindung in die Umgebung.

Das künstlerische Konzept ist Bestandteil des Entwurfes. Um das Haus angeordnete Platzmöbel sind der kubischen Welt des Bauens entlehnt und dienen den Schülern als Aufenthaltsmöglichkeiten, Lehn- und Sitzmöbel.
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